“Allmächtiger”

Mai 11, 2008 at 10:15 Uhr vormittags (Gesellschaft, Religion, selfreflexions)

Bin soeben aus einer Messe geflüchtet. Weder ertrug ich den hochdosierten Weihrauch, noch die Worte des Predigers.
Er sprach von Demut. “Wenn wir uns in Demut hingeben, wird der große Vater seine Arme über uns ausbreiten und uns liebevoll empfangen.” - Was für eine “wundervolle” Vorstellung, sein ganzes Leben in Demut zu verbringen!

Sind nicht Männer wie zum Beispiel Josef Fritzl genau so “große Väter“? Wer ist der Allmächtige und warum sollen wir uns ihm ergeben? Lang und breit erzählte der Priester von den Stigmata des Heiligen Pater Pius. 50 jähriges Leiden, ach wie großartig und erfüllt sein Leben war, da er sich mit den Wunden Christi identifizierte.

Warum wird Leid und Schmerz dermaßen glorifiziert?


Eine Frau wie die Tochter von Josef F. hat ein durch und durch stigmatisiertes Leben hinter sich - wünschenswert? Hat ihr Vater nicht auch diesen gewissen “Allmachtsanspruch” - ist er jetzt allmächtig? Er besuchte genauso die Sonntagsmesse. - ein Schäfchen unter uns

Der Priester predigte weiter voller Euphorie. Ich überlegte schon welche Substanzen er wohl zu sich nimmt,um in diesen Zustand zu kommen, oder war es nur der Weihrauch, der seine Sinne vernebelte?

Wie gewohnt beteten alle zum “Herrn“. Wer hinterfragt die Suggestionen, wer glaubt daran?
Alle Schäfchen machten mit, um nur ja nicht selbst denken zu müssen.

Immer mehr wurde ich eingenebelt von dem Rauch und den fragwürdigen Thesen, bis ich keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe, als diesen Ort - das Haus Gottes zu verlassen.

6 Kommentare

  1. silenta sagte,

    Mai 11, 2008 um 2:20 Uhr nachmittags

    eben dieser hat mir soeben den segen erteilt - ich steh in der Lahmgruam und plötzlich und unerwartet legte er seine hände auf meinen kopf und segnete mich - verrückte welt, oder?

  2. Lilitha sagte,

    Mai 11, 2008 um 4:07 Uhr nachmittags

    Ja genau, verrückte Welt! Witziger Zufall! :-)

    Wie fühlst du dich als Frisch-Gesegnete? Tolles Gefühl, oder? ;-)

  3. matha sagte,

    Mai 11, 2008 um 7:32 Uhr nachmittags

    schnell das ‘Mutter unser’ beten. Mein Reich komme, mein Wille geschehe…

  4. unas666 sagte,

    Mai 11, 2008 um 10:15 Uhr nachmittags

    Es ist ein Segen, etwas zu haben, woran man glauben kann …

    Genau wie du, liebe Lilitha, kann ich an die Heiligkeit des Leidens nicht glauben.

    Leiden gehört zum Leben, das steht außer Frage. Aber Leiden kann nie Zweck des Lebens sein. Zweck des Lebens sollte es sein, Freude und Glück zu empfinden. Freude über die schönen Sachen im Leben, Glück, dass du selber die bist, die das Schöne hier und jetzt empfinden darf.

    Leiden macht uns stark, es kann uns aber auch zerbrechen. Wenn wir an etwas Göttliches glauben, sei es weiblich oder männlich, beides oder nichts, oder mehr als beides zusammen - auch diese Frage wird ja beantwortet, obwohl die, die diese Antwort geben, keine Ahnung haben, was sie da sagen -, dann kann uns auch das helfen oder schaden, abhängig vom Bild des Göttlichen, das wir in uns tragen.

    Mit diesen Überlegungen das Leiden als heilig darzustellen, halte ich persönlich für Blasphemie.

  5. Lilitha sagte,

    Mai 12, 2008 um 8:14 Uhr vormittags

    @ matha: das wäre auch eine Möglichkeit. Das war aber eigentlich nicht meine Intention.
    Gutes Kommentar!

  6. Lilitha sagte,

    Mai 12, 2008 um 8:15 Uhr vormittags

    @unas666: Das sehe ich auch so. Den Blasphemie-Gedanken hatte ich als ich von der Kirche nachhausegflüchtet bin.

    Danke für deine Gedanken!

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